Deutsche Außenpolitik im Nahen Osten für Dummies







Die Iraner haben Schach zwar erfunden, jedoch das Beherrschen dieses Spiels natürlich nicht patentiert. In einer neuartigen Multiplayer-Version des Spieles sitzen mehrere große, mittlere und kleinere Spieler um das große Schachbrett der poilitischen Weltbühne, die alle ein Ziel haben: Das Spiel zu lenken. Als alleiniger Gewinner heraus zu gehen ist so gut wie unmöglich, so schränken sich die Großen darauf ein, die patt - Situation zu erhalten.

Das Herzstück des geostrategischen Schachbretts ist der Orient. Das haben auch diejenigen mittlerweile mitbekommen, die sich kaum oder selten mit der Weltpolitik beschäftigen. Im Orient gibt es verschiedene Player. Deutschlands Rolle könnte man am Besten mit dem Adjektiv "schizophren" erläutern. Einerseits steht Deutschland ab und zu auf eigenen Füßen, andererseits als kleiner Spieler und Interessenszone anderer Player und letzlich als großer Player im Rahmen der EU. Ein Spiel, das Deutschland schon innerhalb der EU von einem Interessenskonflikt zum nächsten zittern lässt.

Die deutsche Außenpolitik ist zwar schizophren, aber nicht gedankenlos. Ganz im Gegenteil sogar. Sie ist von einer solch berechnenden Ingenium, das selbst Luzifer persönlich vor diesem gigantischem Ausmaß an Kaltblütigkeit und Heimtücke in Erstaunen versetzt sein müsste. Um besser verstehen zu können, was genau Deutschland verfolgt, muss man sich die Weltkarte genauer mal unter die Lupe nehmen und die Hand voll Faktoren, die für die deutsche Außenpolitik am wichtigsten sind, unter mehr als 1000 Faktoren, herauspicken: EU, USA, Rußland, Iran , China, Naher Osten.

Diese Außenpolitik hat viele Variabelen, jedoch eine Konstante: Im trüben Wasser kann man am besten fischen! So versuchten deutsche Außenpolitiker, trotz der Niederlage im Zweiten Weltkrieg, sich soweit mit den Siegermächten zu arrangieren, dass sie im Zuge einer aufkommenden EU nicht nur zur alter Größe finden, sondern die geostrategischen Träume eines Bismarcks ja gar eines Adolf Hitlers, natürlich in neuer Form und Verpackung, umsetzen. Während andere den bösen Polizisten spielten, begnügte sich Deutschland damit, die Druckmittel, die es im wirtschaftlichem Bereich hatte, gut einzusetzen bzw. Verbände und Gruppen zu fördern, die in der Lage waren, die Gewässer im Sinne Deutschland zu trüben. Denn eine feste Säule der deutschen Außenpolitik besteht darin, die Nachbarschaft schwach bzw. schwächer als das eigene Land zu halten. In Europa führte es dazu, dass das Land nun die anderen europäischen Staaten mehr oder minder wirtschaftspolitisch beherrscht, was gleichzeitig den Grund hergibt, weshalb die Inselbewohner die Gemeinschaft mit dem europäischen Festland verlassen wollen.

Wenn man von der EU absieht, gibt es weltweit einige Brandherde, die Deutschland mit seiner Balance of Power- Politik relativ gut begleitet und hier und da auch mal tatsächlich im Griff hat. Wenn wir uns als erstes die Weltkarte mal anschauen und die für uns relevante Historie heranziehen, kommen wir an den sogenannten grünen Gurt nicht vorbei. Dieser grüne Gurt gegen die gottlosen Kommunisten bedeutete die Aufstellung und Stärkung islamistischer Kräfte in Mittelasien während des Kalten Krieges durch die Amerkaner, bei denen Deutsche auch tatkräftig mithalfen. Nach dem Mauerfall wurden diese Gruppen durch den afghanischen Korridor auch mit Waffen versorgt und Saudi Arabien spielte in diesem Zusammenhang ab Anfang der 90er als lokaler Player eine große Rolle, obwohl die Anfänge auf Denkfabriken des Westens zurückgingen und Mitte der 70er Jahre unter der Federführung Brzezinskis und Jimmy Carters organisiert und finanziert wurden. Doch dieser grüne Gurt hatte eine Schwäche: Sie drückte nur nach Norden in Richtung Russlands! Die Spieler im Süden und vor allem der moslemische Iran blieben von diesem schlagkräftigen und Kräfte zerrenden „Störfaktor“ relativ unberührt, da sie sich damit arrangieren konnten. Geopfert wurden vermeintlich Schwächere wie Afghanistan.

Um die Wirkungskraft zu erhöhen und das Wasser der südlichen Mächte ebenfalls zu trüben, wurde die religiöse Organisation der Irren mit einer ethnischen ersetzt. Eine relevante Ethnie unter den vielen wurde ausgesucht: die Türkmenen! Dieser Konflikt wurde als erster gleich 1990 in Usbekistan blutig: Die persisch-sprachigen Menschen und die Türkmenen bekämpften sich gegenseitig und brannten die Häuser der anderen nieder. Als die persischsprachigen Uzbeken die neuen Türkofaschisten vertrieben, blieb die westliche Presse unheimlich ruhig. Das, was dort passierte, durfte einfach nicht geschehen sein. Denn der Westen setzte voll uns ganz auf eine faschistuide Türkomanie. Die großen Player ließen fast in einer Nacht- und Nebel- Aktion nämlich den islamischen Halbmond, der absolut antirassistisch zu verstehen ist und den die Türken in der Türkei dennoch als Ihr Identitätszeichen verstehen, auf die neuen Flaggen vieler neuer Staaten anbringen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden waren und vorher allesamt über Jahrtausende bis auf kleine Unterbrechungen durch Alexander und Chingiz Khan zum Persischen Reich bzw. den Iran gehörten. Das sogenannte „Türkentum“ - und dieser Begriff durfte auch seit jener Zeit Einzug in die deutsche Sprache erhalten haben- war geboren. Der Westen schickte den Satellit Türksat in den Himmel, der zahlreiche unheilsame Programme in die Gebiete senden sollte. Das Ganze wurde mit einem israelischen Satelliten begleitet, der 24 Stunden lang und sieben Tage die Woche Porno- Filme in den Nahen Osten und Zentralasien sendete. Kostenlos!

Unter dem Oberbegriff „Privilegierte Partnerschaft“ ist aber nicht nur zu verstehen, dass man die Politik Atatürks, der gen Westen zeigte zerschlagen und die Türkei durch den Aufbau Erdogans in die andere Richtung drehte: Im Finanzsektor wurde die Türkei zum Dreh- und Angelpunkt für den Orient und Mittelasien, während Iran und Russland sanktioniert wurden. Zölle wurden immer mehr abgebaut, Know How-Fluss in die Türkei und die Tatsache, dass viele westliche Konzerne ihre Vertretung für den mittelasiatische Länder an türkische Unternehmer vergaben, runden das Bild ab.

Die Politiker in Deutschland verstanden nicht, dass sie mit dem Aufbau des Terrorismus oder des Türkentums Schlangen in ihren eigenen Ärmeln züchteten, deren Opfer am Ende sie selbst bzw. ihre eigenen Gesellschaften sein würden. Ihre Minderwertigkeitskomplexe gegenüber traditioneller Mächte des Ostens machte sie fast blind. Blind vor Wut und blind wegen aus Komplexen entstandener Arroganz, die vermutlich psychologisch zu ihrem Selbstschutz diente. Als die deutsche Botschaft Mitte 70er auf ihrem Botschaftsgelände in Tehran jedes Wochenende Lyrikabende organisierte und die Gegner des Shahs, die zur selben Zeit in Deutschland von Berufsgruppen wie Lokführer wegen politischer Gesinnung ausgeschlossen waren, den Hof machte, ahnten ihre Strategen nicht, dass die Folgen ihrer Fehlentscheidungen nicht nur durch massiver Zuwanderung aus dem Rest der Welt nach Europa, sondern eines Tages auch Terrorattacken in Europa zur Folge hätte und am Ende gar die Ecke der Appeasement-Politik, in die sie durch einen Herrn Erdogan gedrängt werden, den sie anfänglich für kontrollierbar hielten, auf sie warten würde. Die Lücke, die der Shah des Iran nach der sogenannten islamischen Revolution und den Export Khomeinis aus Paris nach Teheran hinterlassen hatte, sorgt bis heute für Mord und Totschlag in der gesamten traditionellen Einflusszone Irans, die sich andere Mächte mit ihren Vasallen und Waffenlieferungen an diese sich aneignen wollen. Im Iran selbst wird einerseits das Regime durch deutsche Außen- und Wirtschaftspolitik unterstützt, andererseits unterstützt man durch Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie unethische Waffenlieferungen regionale Gegenspieler. In die iranische Innenpolitik findet durch Beihilfe zum Sturz des Shahs und später in einer Form eine deutsche Einmischung statt, in der die schlimmste Sorte an Opposition, die Terrorgesellschaft der Sekte „MKO“, hofiert wird, um eine schreckliche Alternative für die Zeit nach der Mullakratie in den Ärmeln zu halten. Tatsächlich gilt die demokratische Opposition im Iran und der im Exil lebende Sohn des früheren Königs als eine große Gefahr für die deutsche Außenpolitik im Nahen Osten. Als bei den letzten Protesten die Mengen nach denm Prinzen riefen, schwieg die berühmtberüchtigte, regierungsferne, freie deutsche Wahrheitspresse und setzte das Problem einfach aus. Eine Politik, die hoffentlich bald ihr jähes ende erfahren und nicht nur für die Produktion und Lieferung vom Giftgas an Saddam Hossein gegen iranische Soldaten während des ersten Golfkrieges zur Verantwortung gezogen werden wird.

Das nächste Schwergewicht ist China. China ist für die deutschen Geostrategen von unheimlicher Bedeutung. Chinas Interessen dienen gleichzeitig auch zur Haltung der europäischen Gleichgewichtspolitik gegenüber den Vereinigten Staaten. Überall, wo Europa nicht direkt mit den Amerikanern in Konflikt geraten möchte, findet China Bedeutung. Chinas Schützling, Nordkorea, droht immer dann Plötzlich mit Atomtests, wenn Europas Interessen überall auf der Welt und vor allem im Nahen Osten durch amerikanische Verbündete in Gefahr geraten. Chinas Geld- und Finanzpolitik sowie Chinas Interesse an einer neuen Seidenstraße, Chinas Engagement in Afrika und extrem schnelle Aufstreben zur stärksten Wirtschaftsmacht der Welt halten die europäische Strategen dabei anscheinend für kontrollierbar. Dass diese Leute gleich den gesamten Planeten durch diese Unart von Gleichgewichtspolitik auf ein Pulverfass setzen, scheint ebenfalls irrelevant zu sein. Interessanter wird es jedoch, wenn wir China und überhaupt Asien (gemeint ist das Gebiet zwischen Japan bis Israel) aus der Perspektive der Energieversorgung anschauen:

China konsumiert eine Menge an Erdöl, um seine Wirtschaft und Menschen am Leben zu halten. In den letzten Jahren hat jedoch auch Gas enorm an Bedeutung gewonnen, das es nicht nur effizienter und günstiger ist, sondern auch richtig verarbeitet umweltschonender als Erzeugung von Elektrizität sein kann. China wird einerseits von Russland, andererseits durch Pipelines aus dem Iran versorgt, der durch die verfeindeten Staaten Pakistan und Indien geht und Pipeline der Freundschaft benannt wurde. Pakistan hat aber auch selbst Erdöl, das durch einen Vertrag im letzten Jahrhundert mit dem iranischen König bis zur Mitte dieses Jhdts gesperrt bleibt. Der Shah zahlte damals die Pakis ordentlich dafür aus, damit sie ihre Quellen im Süden des Landes und an der iranischen Grenze nicht ausbeuten. Der Hintergrund war der, dass dadurch der Persische Golf und die iranische Hoheit über die Meeresenge von Hormuz, durch die 75% der damaligen Erdöltransporte weltweit durchgingen, an enormer Bedeutung gewannen, was den Shah zu einem weltweiten Schwergewicht machte. Seit dem Zerfall der UDSSR ist die Energiewelt durcheinander gewirbelt. China bereitet sich auf die Ölquellen in Pakistan vor und baut mit der Erlaubnis der Regierung seine größte Militärpräsenz außerhalb des Landes in pakistanisch Belutschistan. Die Amerikaner, die die Chinesen nicht gerne in der Gegend sehen, halfen den Iranern unter George W. Bush und der einzigartigen Bohrtechnologie vom Halliburton beim Ausbau des South Pars Projects am Persischen Golf, während sie mit Erfindungen von Begriffen wie „Achse des Bösen“ aus Washington und „Tod Amerika“ – Parolen aus Teheran von sich ablenkten. Allerdings wurde das Projekt mit der Wahl Ahmadinejads beendet und andere Nationen sowie einheimische Produzenten machten auf der größten Erdgasquelle der Welt weiter.

Dieses Gasfeld ist der Hintergrund aller Kriege, die seit gut 8 Jahren im Nahen Osten toben. Denn es würde Europa einerseits und China andererseits direkt und kostengünstig durch die Pipelines, die durch Syrien und Irak verlaufen, versorgen und Iran damit zu alter Stärke verhelfen. Die Iraner gründeten die neue Gas-OPEC und brachten die Russen und Qataris ins Boot. Saudi Arabien und Türkei waren bei dieser Planung die großen Verlierer dieser Konstellation. Türkei hatte zuvor, als die Europäer das russische Übergewicht bei der Gasversorgung Europas durch ein gemeinsames Konsortium und der Ausbeutung Erdölfelder Azarbaycans, das die Feindschaft dem Iran gegenüber schon im Namen „Nabucco“ trug, einzudämmen versuchten, sich und das Projekt durch harte Haltung beim Thema „Profit“zum Erliegen gebracht. Andererseits liegt das Land mit Israel, das den Griechen während der Wirtschaftskriese ihre Rechte an der Ausbeutung der Ölfelder im Mittelmeer abgekauft hat, im Clinch. Als das Projekt der IS-Terrortruppe zum Stoppen der iranischen Gashoheit begann, war Erdogan zunächst auf der Seite des Westens einschließlich Saudi-Arabien, das als dritter großer Verlierer der neuen Konstellation neben Israel und der Türkei schwer getroffen war. Die Iraner holten irgendwann den Erdogan ins Gasprojekt, der den Vater der neuen Türkomanie "Davutoglu" über Nacht feuerte und sich Russland und Iran annähern konnte. Kurz darauf gab es den gescheiterten Putschversuch und der Rest und das jonglieren Erdogans bis hin zur Übernahme Efrins und der Bemühungen um die Schließung des amerikanischen Stützpunktes in Incirlik dürfte den meisten Lesern bekannt sein.

Auch, wenn das eine Kurzform der Energiesituation ist und die Realität noch viel komplexer ist: Mit der westlichen Revolte gegen den Shah hat der Westen die Büchse der Pandora geöffnet. Die Arroganz des Westens gegenüber einem Land mit realer Zivilisation und wahrer Größe hat sie für herrschende Realitäten auf unserem Planeten blind gemacht und dafür gesorgt, dass seit ca. 40 Jahren absolut inakzeptable politische Zustände auf der Welt herrschen. So langsam aber, versteht die westliche Schlangenintelligenz, dass sie sich in eigenen Schwanz gebissen hat und dass eine Demütigung durch Politikern des Ostens, die höchstens als Dorfvorsteher taugten, viel erniedrigender gewesen ist, als sie sich das bei der Mithilfe zum Sturz des Repräsentanten eines 2500 – jährigen Königsystems vorgestellt haben. Denn Macht braucht Kultur und Macht braucht vor allem Tradition. In dem der Westen dabei geholfen hat, die Spitze der Ungebildeten Irans an die Macht zu verhelfen, das Land durch eine Kriegs- und Ausbeutepolitik ausbluten zu lassen und dafür unzivilisierte und sehr unappetitliche Typen aus der Nachbarschafft zu hoffieren und ihre Länder in der Nachbarschaft Irans auf- und hochzurüsten, hatten sie sich nicht erträumen lassen, dass sie sich eines Tages diesen Dorfvorstehern bücken müssten und zur Appeasementpolitik gezwungen wären. Was den deutschen Politikern übrigens bestens geschieht. Wer nicht hört, er muss eben fühlen! Dieses Gesetz gilt auch für Politik und Politiker!